Kulturradio vom RBB Berlin-Brandenburg

 

Alexander Werner. Carlos Kleiber. Eine Biografie


Lesestoff, Sendung am 12. März 2008

Rezensent: Bernhard Morbach
Moderation: Ev Schmidt

Rezension: (Rundfunk)

 

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Rezension von Bernhard Morbach, Kulturradio am Morgen

Alexander Werner: "Carlos Kleiber"
Sachbuch - Biographie


Zurückgekehrt aus dem argentinischen Exil, begann Carlos Kleiber (19302004), Sohn des gleichfalls hoch berühmten Dirigenten Erich Kleiber, seine Karriere mit kürzeren Engagements in Potsdam und München und an den Opernhäusern in Düsseldorf, in Duisburg, Zürich und Stuttgart. 1968 bis 1973 zunächst fest engagiert, war er danach bis 1988 Ständiger Gastdirigent der Bayerischen Staatsoper. Daneben hatte er wenige Gastauftritte bei den Bayreuther Festspielen, an der Metropolitan Opera, der Mailänder Scala und der Royal Opera Covent Garden sowie mit einigen Orchestern, vor allen den Wiener Philharmonikern und dem Bayerischen Staatsorchester.

Carlos Kleiber ist wahrhaft legendär. Er gehört zu den wenigen Interpreten, denen man zubilligen kann, Musikgeschichte gemacht zu haben, was ansonsten eigentlich nur Komponisten vergönnt ist. Die gewöhnliche Reaktion auf seine Interpretationen war pure Emphase: "So habe ich das noch nie gehört", eine Äußerung die Kleiber schließlich nicht mehr hören konnte!

Die vorliegende Biographie
ist die erste auf dem deutschen Markt und als solche schon von höchster Bedeutung. Voraus gegangen ist 2006 lediglich ein etwa 100 Seiten umfassender Essay von Jens Malte Fischer (Carlos Kleiber der skrupulöse Exzentriker). Werner tritt dem Leser als um Sachlichkeit bemühter Berichterstatter gegenüber. Die Recherchearbeit muss eine geradezu enorme gewesen sein. Das Buch ist hervorragend geschrieben; man wird zum Weiterlesen geradezu gezwungen.

Ungefähr 100 Produktionen Kleibers in den Breichen Oper, Konzert und Schallplattenproduktionen (viel mehr waren es nicht) werden in Planung und Ablauf minutiös geschildert. Die allererste Schallplatteneinspielung, der legendäre Dresdner Freischütz von 1973, allein auf acht Seiten. Da Kleiber jede Form der Selbstentäußerung konsequent verweigerte, stützen sich die Ausführungen auf Äußerungen Dritter (Freund, Bekannte, Musiker, Intendanten, Produzenten, Rezensenten). Kleiber bleibt eher die "graue Eminenz" im Hintergrund das ist in diesem Falle auch gut so!

Die Ausführlichkeit der Darstellung
und der daraus resultierende Umfang des Buchs hat leider eine Eingrenzung der Zielgruppe auf die Kleiber-Enthusiasten zur Folge. Jüngeren Klassik-Hörern sagt vielleicht nur noch der Name etwas. Eine Kurzfassung der Biographie mit einer CD-Edition ("The Best of ") wäre mehr als wünschenswert. Denn die wenigen Einspielungen sind medial kaum präsent. Durch eine solche Publikation könnte jeder Klassikhörer Bekanntschaft mit dem überragenden Dirigenten Carlos Kleiber machen.
Bernhard Morbach, Kulturradio am Morgen

Bewertung: Volle Punktzahl
Stand vom 12.03.2008
Mehr Informationen zum Thema:
Alexander Werner
"Carlos Kleiber"
Schott Verlag, Mainz 2007
Gebunden, 550 Seiten m. 30 Abb.
ISBN: 978-3795705985
29,95 Euro

 

 

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Money and Fear

 

I have got for years and futher get many mails from people all over the world in case of an English translation of my biography of Carlos Kleiber, but still the editors obviously are not shure about Carlos Kleibers popularity and also are anxious about costs of translating such a large book. Seems that any do not know that Goethe-Institute for example could hlp in that case. In Japan nobody bothered about that, one edition followed the other. So, I only can tell you, wait and will see what happens ...

Ich bekomme seit Jahren und weiterhin viele Anfragen aus der ganzen Welt, wann denn nun eine englische Übersetzung meiner Biografie über Carlos Kleiber erscheint. Noch aber scheint es so, dass Zweifel an Kleibers Popularität und Bedenken wegen der Kosten einer Übersetzung eines so umfangreichen Buchs dies hemmen oder verzögern. Offenbar ist Verlagen auch nicht unbekannt, dass beispielsweise das Goethe-Insitut bei Übersetzungen unterstützen können. In Japan kümmerte all das niemand, dort erschien eine neue Auflage der Übersetzung nach der anderen. Nun, wir werden sehen, wie es sich entwickelt ...

Alexander Werner, 04/2013

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