Erläuterungen zu Richard Strauss "Ein Heldenleben"

 

Ergänzung gestrichener Passagen zu den Seiten 467-469 und 447-450


1993 dirigierte Kleiber in Wien Ein Heldenleben von Richard Strauss. Noch Jahre später beschäftigte er sich intensiv mit dem Werk. Die folgende Passage beleuchtet, was ihm bei der Deutung des Stücks besonders am Herzen lag


Sybille Werner, die bis 1994 Chefdirigentin des Philharmonia Orchestra of New York und dann nach zahlreichen Gastdirigaten in Europa ab 1998 in der gleichen Position beim New York Symphonic Arts Ensemble tätig war, hätte als Kollegin und Bewunderin Kleiber gerne näher kennengelernt. In New York hatte sie Kleiber 1990 nach einer seiner Rosenkavalier-Proben auf der Straße angesprochen. Dann schrieb sie Kleiber, ob er Lust hätte, mit ihr "Ein Heldenleben" durchsprechen, weil sie dies mit bei einem Benefizkonzert mit Amateurmusikern dirigiert hatte. Sie schickte ihm ein Band von diesem Konzert.

Nach wenigen Tagen erhielt sie seine Antwort. Sie erzählt: »Er hat mir wohl zuerst geschrieben, ohne das Band angehört zu haben, es dann aber doch getan und den Brief wieder aufgerissen und um seine Kommentare ergänzt.« Die Geschichte entbehrt nicht einer gewissen Komik. Der mit Sybille Werner befreundeten Geigerin Lesley Heller, die Kleiber vom Orchester der Metropolitan Opera kannte, schrieb Kleiber am 20. September 1993 von dieser Begebenheit. Die Musikerin hatte im besagten Konzert unter Sybille Werner das Violinsolo im Heldenleben gespielt und sich zuvor nochmals bei Kleiber für dessen wunderbaren Rosenkavalier bedankt. In seiner Antwort erzählte er humorvoll die Geschichte der Kassette, die er zuerst gar nicht anhören wollte. Kleiber gefiel Lesley Hellers poetisches und berührendes Spiel und wie sie das wesentliche Anliegen des Komponisten, den Ausdruck, getroffen habe. Strauss hatte in dem Violinsolo seine Gattin, die Sängerin Pauline Strauss-de Ahna porträtiert. Dies im Spiel zu verinnerlichen, war für Kleiber ein ganz wesentliches Element für die Interpretation des Violinsolos.

Sybille Werner erhielt also nicht seine zuerst eher schroffen Zeilen, sondern einen charmanten Brief. Ein mögliches Treffen allerdings lehnte Kleiber, der gerne und viele Briefe schrieb, aber kaum jemanden persönlich sehen wollte, entschuldigend ab. Die Details, die er folgen ließ, zeigen, wie intensiv er sich mit dem Werk auseinandersetzte. Sybille Werner war erfreut, als Kleiber ihre zügigen Tempi lobte: Später schrieb er mir, dass das Violinsolo immer von einer Frau gespielt werden sollte, und sehr charmant, von einer zumindest halb so guten Geigerin wie Lesley.

Interessant ist, wie Kleiber spontan auf den Wunsch seiner Kollegin reagierte, ihr einige Ratschläge für dass Heldenleben zu geben. Einblicke in seine eigene Dirigierpartitur wollte er aber auf keinen Fall gewähren. Kleiber schrieb dann über die Quellenlage, Fassungen und deren Fehler: Er meinte, er sei kein Experte, weil er das Stück ja nur zweimal dirigiert habe, war aber offenbar zur Erkenntnis gelangt, dass allein der Komponist selbst in seinen Aufnahmen die für ihn so wesentlichen Zeitmaße erreicht habe.

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