Ausgabe Januar 2009

 

Anmerkungen zu Harald Haslmayers Rezension der Kleiber-Biografie in der Österreichischen Musikzeitschrift:


Eine seltsame Kritik, die Herr Haslmayer hier abliefert. Er schreibt:


Alexander Werner (...) verdanken wir die bisher einzige vorliegende ,große´Biographie Kleibers. Der Autor hat keine Mühen gescheut, in klassisch positivistischer Weise so viele biographische Quellen zusammenzutragen wie nur irgendwie möglich. Daher ist dieses Werk selbstverständlich eine Fundgrube für eingefleischte Kleiberisten."

Bis hier kann ich dem Autor ja noch teilweise folgen, wobei die Bemerkung in klassisch positivistischer Weise" auf das Zusammentragen biografischer Quellen bezogen doch eine sehr eigentümliche oder kausal falsch artikulierte Aussage ist. Meint der Autor etwa eher die Auswertung der von mir gesammelten Quellen, die er selbst ja gar nicht überschauen kann, also die letztliche, gedruckte Darstellung von Kleibers Persönlichkeit und Bedeutung? Jedenfalls ergibt seine Aussage kaum einen Sinn, die andere mutmaßliche dagegen gäbe eine falsche und in keiner Weise meiner Methode folgenden Einschätzung wieder.   


Dann fährt er fort:

Trotzdem bleibt der ,Ton´der Sprache merkwürdig ,steril´; in völlig gleicher Art wird geschildert, ob Kleiber nun etwa in Stuttgart dirigierte oder in Wien. Die unverwechselbare Atmosphäre etwa der Mailänder Scala wird nie zum Thema. Musikalische ,Lebensluft´- um eines der Lieblingswörter von Hofmannsthal zu zitieren - weht an keiner Stelle aus diesem Werk, und die oftmals auftretende Unsensibilität gegenüber lokalen Traditionen führt dann nicht nur zu ärgerlichen Fehlern, sondern etwa dazu, dass zur Abbildung 32 behauptet wird, Kleiber dirigiere das Neujahrskonzert 1994 (in Wirklichkeit war es 1989 und 1992) des "Orchesters der Wiener Staatsoper" - ganz im Ernst ... Fazit: wertvolle Pflichtlektüre für alle Kleiberisten, für ,Außenstehende´weniger empfehlenswert ..."


Dazu ein paar Bemerkungen über des Rezensenten mir unlogisch erscheinenden Anschluss mit Trotzdem" hinaus:

Mag sein, dass ich weniger des Rezensenten mögliche Vorlieben für (fremdverfasste), blumige aber so oft nichtssagende Formulierungen getroffen habe, aus dem Buch sollte nun aber auch nicht eine vielleicht sehr subjektiv und je nach Darbietung selektiv empfundene Atmosphäre irgendeines Opernhauses wehen, sondern die, welche Kleiber entstehen ließ. Wie unterschiedlich Kleiber während seiner Karriere an den verschiedenen Häusern wirkte und wahrgenommen wurde, wollte und habe ich inhaltlich und stilistisch differenziert dargestellt.

Was jedoch sollte das alles mit Unsensibilität gegenüber lokalen Traditionen zu tun haben? Es liegt die Vermutung nahe, dass dem Rezensenten weniger gefallen hat, dass ich Kleibers Beziehung zu den Häusern und Orchestern (etwa Wien?) kritisch hinterfragte - das jedoch, wie ich meine, in durchaus moderater und keiner Weise unsensibler Form.

Seine wiederum merkwürdige Schlussfolgerung, dass diese vermeintliche Unsensibilität sich in ärgerlichen Fehlern offenbare, enzieht sich meiner Logik. Dass bei einem solchen Mammutprojekt selbst nach intensiven Korrekturgängen gerade in der ersten Auflage leider noch Fehler stehen blieben, bedaure ich selbst, es mag aber verzeihlich sein. Der falsche Bildtext, der leider durch einen späten, von mir überhaupt nicht mehr überprüfbaren Bildertausch zustandekam und der zur Zeit der Rezension in Auflage 2 längst korrigiert war, in Verbindung zum Inhalt zu setzen, ist ebenso unverständlich wie die Bildzeile als eine oder gar meine Behauptung" zu charakterisieren. Sicherlich hat der Rezensent ja die Kapitel über die Neujahrskonzerte gelesen (ganz im Ernst?), in denen ich doch tatsächlich behaupte", diese hätten 1989 und 1992 mit den Wiener Philharmonikern stattgefunden.

Wem der Rezenzent das Buch empfehlen mag, ist ganz allein seine Sache. Jedenfalls freue ich mich auch über die vielen positiven Reaktionen von Leserinnen und Lesern, die bisher kaum etwas über Kleiber wussten oder ihn gar nicht kannten.

 

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